Das deutschsprachige Dubai Forum

Normale Version: Dubai - das Übermorgenland im Heute angekommen?
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Eindeutig - Dubai hat die Finanzwelt am 25.11.09 mit der Bekanntmachung überrascht, alle Gläubiger von Dubai World (DW) und NAKHEEL um ein Moratorium sowie die Verlängerung der Kreditverträge um sechs Monate bitten zu wollen. Neu ist keineswegs die Schuldengröße des Emirats Dubai mit rd. 80 Mrd. USD, wohl aber zum einem der überdimensionale DW-Anteil von 75% an der Gesamtverschuldung - und zum anderen die Lehrstunde, dass man eben nicht alles "einfach so" bezahlen könne. Die globale Überraschung erweckt aber teilweise den Eindruck, alle Welt sei davon ausgegangen, Dubai hätte seine Schulden "just for fun" aufgenommen.

Schaut man sich Berichte und Verlautbarungen näher an, tritt als Hauptverursacher des Dilemmas der weltweit größte Immobilienentwickler NAKHEEL, Tochtergesellschaft von DW, in den Vordergrund. Den Erbauer der einzigartigen Palmen- und Welt-Archipelprojekte vor der Küste Dubais hat der Verfall der Immobilienwerte in Folge der globalen Finanz- und Immobilienkrise voll erwischt. NAKHEELs Verpflichtung zur Rückzahlung eines 3,52 Mrd. USD schweren Islamic Bonds (Sukuk) am 14. Dezember 2009 dürfte auch der originäre Auslöser für den Tritt auf die Moratoriums-Bremse gewesen sein.

Wir halten es an dieser Stelle jedoch für sinnvoll, zum einen die krisenbezogenen Fakten sowie zum anderen die elementaren Perspektiven des Standorts Dubai - auch eingebettet in die Föderation der Vereinigten Arabischen Emirate - im Detail zu sortieren.


A - Fakten zur Zahlungsunfähigkeit bei DW Dubai World

DW wird unter Supervision des DFSF Dubai Financial Support Funds bereits seit Mitte letzten Jahres einer massiven Restrukturierung unterzogen. Zu diesem Zwecke wurde auch Aidan Birkett (Deloitte) zum Chief Restructuring Officer (CRO) der DW-Gruppe bestellt.

Am 15.10.2009 wurde zunächst von DW selbst veröffentlicht, die Restrukturierung sei weitestgehend abgeschlossen: Mit der Streichung von 12.000 Stellen (der Löwenanteil hiervon bei NAKHEEL) könnten 800 Mio. USD über die nächsten 3 Jahre eingespart werden. Von Mitgliedern der Regierung Dubais wurde regelmäßig bestätigt und auch erwartet, dass das Emirat seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt.

Aber einhergehend mit dem Führungswechsel in der ICD Investment Corporation Dubai wurde ein Kurswechsel umgesetzt, neu eingeworbene Anleihemittel - allen voran die vergangene Woche von 2 Banken Abu Dhabis gezeichneten 5 Mrd. USD weitere Tranche eines 20 Mrd. USD Dubai Bonds - ausschließlich nur noch für profitable Bereiche im Portfolio der Staatsunternehmen einzusetzen.

DW bzw. konkret NAKHEEL gehört definitiv nicht in diese Gruppe und hat einschließlich der Fälligkeit 14.12.2009 insgesamt bis Ende März 2010 ein Tilgungsvolumen von 9 Mrd. USD zu schultern.

Der DW-Fall wirft etliche Fragen auf, die wir nachfolgend zu beantworten versuchen.


Was genau ist Dubai World?

DW ist zunächst nicht gleichzusetzen mit dem Insel-Archipel "The World", welches von NAKHEEL vor der Küste Dubais in den Arabischen Golf aufgeschüttet wurde. DW ist ein überwiegend in Staatsbesitz befindliches Firmenkonglomerat mit Aktivitäten in den Bereichen Häfen, Immobilien, Edelmetalle, Wirtschaftszonen und Investment.

Bekannteste DW-Unternehmen dürften sein
  • der Hafenbetreiber DP World
  • der Immobilienentwickler NAKHEEL
  • die Jebel Ali Free Zone Authority (JAFZA)
  • die Dubai Ports & Customs Authority (DPCA)
  • das DMCC Dubai Multi Commodities Centre (Free Zone Jumeirah Lake Towers)
  • die Online-Handelsplattform TEJARI
  • der PE-Fonds IWC Istithmar World Capital
Laut verfügbaren Unternehmensreports hat DW ein Volumen von 59 Mrd. USD an Schulden und Verbindlichkeiten/Verpflichtungen - was die besagten 75% der Gesamtschulden des Emirats Dubai ausmacht.


Wie sind diese Schulden strukturiert?

DW selbst hat zunächst Direktverbindlichkeiten in Höhe von 8,75 Mrd. USD. Hinzu kommen Schätzungen der Deutschen Bank zufolge weit höhere Direktverbindlichkeiten der Tochtergesellschaften - allen voran NAKHEEL - i.H.v. 15,52 Mrd. USD. In Summe belaufen sich die Direktverbindlichkeiten also auf 24,27 Mrd. USD.

Die aktuell benannten 59 Mrd. USD stellen über die Direktverbindlichkeiten hinausgehend eine Konsolidierung der unbezahlten Rechnungen, aber auch der sogenannten Non-Debt Obligations (Verpflichtungen) aus staatlicher Landübernahme (Land Grant) dar. Das heißt zunächst, dass von einer grundlegend anderen Schuldendefinition auszugehen ist, als es z.B. in Europa der Fall wäre. "Schwebende" Verpflichtungen gegenüber dem Emirat Dubai selbst dürften hier mindestens 25% der Gesamtverpflichtungen ausmachen.

Betrachtet man das Ganze unter Insolvenzstatus-Gesichtspunkten, müssten von den 59 Mrd. USD wohl an die 15 Mrd. USD als Verpflichtung gegenüber dem eigenen Gesellschafter abgezogen werden.

Es bleiben gute 44 Mrd. USD - immer noch "eine Menge Holz", aber vielleicht doch einiges an Befürchtungen aushebelnd.


Warum hat DW Probleme, seine Schulden zu begleichen?

Zunächst befindet sich DW in einem Liquiditätsengpass wegen Immobilienpreisverfall (-50%), Investmentverlusten und einem globalen Austrocknen der Kreditmärkte, was zu äußerst kurzläufigen Anleiheaufnahmen führte. DP World und IWC sind ausdrücklich von der letztes Jahr eingeleiteten Restrukturierung ausgenommen worden, da diese Zweige hochprofitabel laufen. Genau hier setzt aber das Umdenken im Finanzmanagement des Emirats Dubai ein, selbst aufgenommene Liquidität aus Staatsanleihen nur noch in grundsätzlich profitable Leistungsbereiche nachzuschießen.

DW mit NAKHEEL ist also von Nachschüssen bewusst ausgenommen. Eine grundsätzlich außerhalb der arabischen Welt praktizierte Vorgehensweise - die jetzt auch Einzug in Dubai hält. Das ist das eigentlich Neue, mit dem niemand gerechnet hatte: Dubai verlautbarte am 27.11.2009, die Mittelverwendung aus der Anleiheaufnahme selektiv entscheiden zu wollen. Mittel aus dem vom DFSF verwalteten 20 Mrd. USD "Dubai Bond" sollen ausschließlich den Projekten zur Verfügung stehen, die strategisch als gewinnbringend eingestuft sind.

Experten erwarten demnach, dass DW Vermögensteile und/oder Unternehmensteile verkaufen und weitere Kosteneinsparungen vornehmen wird.


Wie werden/müssen sich die Gläubiger verhalten?

Die drängendste Frage für Gläubiger dürfte sein, wie DW nun mit dem 3,52 Mrd. USD Sukuk von NAKHEEL umgehen wird, der am 14.12.2009 zur Rückzahlung fällig wird. Bis jetzt ist ja lediglich ein Moratorium beabsichtigt, aber noch nicht vereinbart.

Weder DFSF, noch DW haben sich zu dieser Thematik bisher geäußert. Dem Sukuk-Prospekt zufolge kann NAKHEEL die Rückzahlung zunächst auf dem Verhandlungsweg um einen weiteren Monat nach hinten schieben, ohne Vertragsbruch zu riskieren. So oder so besteht ab dem 14.12. eine 14tägige Nachfrist zur Zahlung, bevor die Bondgläubiger rechtliche Schritte einleiten können. Deutsche Bank London als Transaktionsmanager müsste also erst am 28.12.2009 die Bondgläubiger benachrichtigen.

Laut Prospekt würde die Deutsche Bank in diesem Falle eine Versammlung der Zertifikate-Inhaber einberufen, auf der über die weitere Vorgehensweise abgestimmt werden müsste.

Dies erscheint nur vordergründig sehr einfach: Beschlussfähigkeit ist nur gegeben, wenn mehr als 50% des gesamten Sukuk-Volumens vertreten sind. Ein außerordentlicher Beschluss zur Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen gegen DW / NAKHEEL oder zur Umstrukturierung des Sukuk erfordert 75% der abgegebenen Stimmen.


Gibt es für solch einen Fall historische Präzedenzfälle?

Eigentlich nicht. DW ist einerseits ein staatseigenes Unternehmen, andererseits hat es Attribute eines ganz normalen privatwirtschaftlichen Unternehmens: ein Börsenlisting (DP World), ein Kredit-Rating (JAFZA) etc.
Vielleicht kann man die DW-Krise noch am ehesten mit der Eurotunnel-Krise vergleichen: Ende der 90er und Anfang des neuen Jahrhunderts geriet dieses Infrastrukturprojekt auf Grund exzessiver Kreditaufnahmen in finanzielle Schwierigkeiten. Diese konnten eingegrenzt werden, indem Gläubigern Gesellschafterrechte eingeräumt wurden.



B - Einordnung der Relationen

In der aktuellen Diskussion - auch und gerade ein Jahr "nach Lehman" - gehen Differenzierung und Beachtung der eigentlichen Relationen selbstverständlich nahezu unter.

Das darf nicht mal als Vorwurf formuliert werden: Zu viele haben in den vergangenen 14 Monaten zu viel Geld verloren - weltweit - als dass man sie jetzt von Anfang an mit Besonnenheitsparolen maßregeln könnte.

Aber nach so zwei oder drei Nächten Schlaf über den Schock mag sich der eine oder andere doch folgende Gedankenansätze verinnerlichen:
  • Lehman war in globale "Luftnummern" in Billionen-Größenordnung involviert
  • Die Dubai-Krise ist lokal, allenfalls regional - und das im Milliarden-Bereich
  • Das Emirat Dubai ist Bundesland einer Föderation und hat rd. 1,7 Mio. Einwohner, was ungefähr dem Großraum München oder der Hälfte der Stadt Berlin entspricht (ach ja: Berlin hat im Gegensatz zu Dubai "nur" rd. 95 Mrd. USD Schulden)
  • Diese Föderation VAE hat sowohl absolut als auch relativ im Vergleich zum BIP eine weitaus geringere Verschuldung als z.B. Deutschland oder Japan
  • Überwiegend erfolgte und erfolgt in den VAE die Mittelverwendung aus Schuldenaufnahme investiv - und nicht konsumtiv-sozial, wie bei fast allen europäischen "Schuldenkönigen" - will heißen hier stehen Substanzwerte (wie immer sie aktuell auch bewertet sein mögen) gegen die Schulden und nicht Reduzierung der Soziallasten für den Einzelnen
  • Mit rd. 50 Mrd. USD Vermögen alleine in den 3 Staatsfonds des Emirats Dubai und weiteren Unternehmen, Unternehmensbeteiligungen, Assets, Liegenschaften, Einlagen etc. im Volumen von wohl mindestens nochmals 300 bis 500 Mrd. USD dürfte Dubai in der allgemeinen Stimmungslage wohl mit Abstand der reichste "Pleitier" aller Zeiten sein
Diese Fakten machen unseres Erachtens - ausdrücklich ohne hier eine rosarote Brille tragen zu wollen - deutlich, dass der derzeitige "Abgesang" auf Dubai doch auch einiges mit Stimmungsmache und undifferenzierter Betrachtungsweise zu tun hat. Anders ausgedrückt: Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen.



C - Regionale "Rückendeckung"

Abgesehen vom "wealth profile" des Emirats Dubai spielen die Föderation wie auch der GCC-Staatenbund bei wohl möglichen "Rettungsmaßnahmen" auch eine entscheidende Rolle. Trotz aller regionalen und lokalen Differenzen, die es natürlich auch hier gibt: Schon aus arabischer Verbundenheit, verbunden mit dem pragmatischen Verfolgen ganz eigener Interessen, kann generell davon ausgegangen werden, dass jeglicher Ansatz von Staatsbankrott Dubais durch die VAE wie auch einzelne benachbarte Staaten vereitelt werden würde.

Das wirft natürlich die Frage auf, können die das denn auch stemmen?

Die nachfolgende Übersicht über das Aktivvermögen der Regionalen Staatsfonds gibt ohne weitere Erläuterung eine glasklare Antwort auf diese Frage:
  • Bahrain - MHC Mumtalakat Holding Company - 14 Mrd. USD
  • Kuwait -KIA Kuwait Investment Authority - 202 Mrd. USD
  • Qatar - QIA Qatar Investment Authority - 65 Mrd. USD
  • Saudi Arabien - SAMA Foreign Holdings - 431 o. 600 Mrd. USD (*)
  • VAE/Abu Dhabi - ADIA Abu Dhabi Investment Authority - 627 o. 800 Mrd. USD (*)
  • VAE/Abu Dhabi - MDC Mubadala Development Company - 15 Mrd. USD
  • VAE/Abu Dhabi - IPIC International Petroleum Investment Company - 14 Mrd. USD
  • VAE/Dubai - ICD Investment Corporation Dubai - 20 Mrd. USD
  • VAE/Dubai - DIFC Dubai International Financial Centre - 3 Mrd. USD
  • VAE/Dubai - IWC Istithmar World Capital - 27 Mrd. USD
  • IN SUMME - 1.418 o. 1.760 Mrd. USD (*)
(*) zu den Vermögenswerten dieser SWFs existieren gänzlich unterschiedliche Angaben.

Lest im nächsten Teil weitere Ausführungen zu den Themenkomplexen Handelsdrehscheibe, Finanzzentrum, Bankwesen und Bankenabsicherung.

Gruß
NoTax
No Tax,

eine wirklich brilliante Analyse mit den richtigen Fakten unterlegt.

Vielleicht waren die Bubis auch nur clever, den mit der Ankündigung sackten teilweise die Anleihen von 110% auf nur noch 40% ab. Haben sie diese direkt an der Börse aufgekauft sind bereits über 50% der Schulden in nur 2 Tagen verschwunden. Ein einfacher aber genialer Trick.
Mmmh,

ich glaube nicht, dass NAKHEEL oder DW eigene Sukuks aufgekauft haben. Hätte auch nichts gebracht, weil bei Fälligkeit der Nominalbetrag plus Aufschlag von Schuldner an den Zertifikathalter zu zahlen ist. Deine Strategie wäre was, wenn die Vorzugsaktien ausgegeben hätten, aber ein Sukuk mag zwar einen schwankenden Handelswert haben, jedoch bei Fälligkeit ist er entweder gar nichts mehr wert oder das was draufsteht.

Gruß
NoTax

(2009-11-28 11:00:40)vivato schrieb: [ -> ]No Tax,

eine wirklich brilliante Analyse mit den richtigen Fakten unterlegt.

Vielleicht waren die Bubis auch nur clever, den mit der Ankündigung sackten teilweise die Anleihen von 110% auf nur noch 40% ab. Haben sie diese direkt an der Börse aufgekauft sind bereits über 50% der Schulden in nur 2 Tagen verschwunden. Ein einfacher aber genialer Trick.
Verständliche Überreaktionen

Die aktuell zu verzeichnenden Reaktionen sind verständlich und ich persönlich glaube auch nicht, dass sich Dubai via DW mit der Bitte um ein Moratorium einen Gefallen getan hat.

Im Moment versuche ich selbst auch noch dahinter zu kommen, was der tiefere Sinn sein könnte, da hier normalerweise strategisches Handeln und Denken üblich sind. Derzeitiger Erkenntnisstand bei mir - noch mitten im Fluß: Möglicherweise der eleganteste Weg, "to get rid off these dammned liabilities out of Waterfront, Palm Deira & The World" . . . Das ist aber bei mir noch nicht zu Ende durchgedacht, weil die Kollateralschäden eines solchen Strategieansatzes ja doch nicht unerheblich sind.

Wichtig für die berichtenden Medien wäre es allemal, mit den richtigen Zahlen und Größenordnungen zu hantieren - erste Relativierungen des Horrorszenarios habe ich ja schon im Eingangspost versucht.

Zudem wäre vielleicht noch anzumerken:

Die vor allem am Donnerstag die Börsen drückenden Befürchtungen, die arabischen SWFs (Souvereign Wealth Funds / Staatsfonds) könnten ihre Überseebeteiligungen "versilbern", ist natürlich großer Käse, weil:

Wenn ich das durchführen will, "versilbere" ich zuerst - und bitte dann um ein Moratorium! Warum soll ich den zuerst mit Negativnachrichten die Werte unter Druck setzen, um sie dann mit Verlust zu veräußern?

Das Bild von den finanzstarken Golfländern bekommt nur bei dem Risse, der sich hier nicht auskennt, siehe z.B. meine Übersicht Staatsfonds im Eingangspost.

Nochmal: Es geht bei dem Moratorium um fällige Rückzahlungen von kummuliert vielleicht 12 bis 15 Mrd. USD - nicht mehr und auch nicht weniger. Und der einzige bekannte Grund, warum Dubai dieses Volumen nicht termingerecht bedienen kann - ist weil Dubai es nicht will (selektive Festlegung auf Kapitalinjektion in nachhaltig gewinnbringende Projekte, siehe oben). Ob damit zu implizieren ist, dass Dubai das nicht kann, weiss ich ehrlich gesagt nicht - ich persönlich glaube aber kaum dass es eine Frage des Könnens ist.

Auch in Bezug auf die Kollateralschäden muss man die Dinge sauber sortieren:

70% der Bankkredite an Dubai wurden von europäischen Banken ausgegeben - allen voran Deutsche Bank, LBBW, HSBC und Standard Chartered (sicher noch etliche mehr). Diese haben in den letzten Jahren alleine schon mit dem Zinsdienst für europäische Verhältnisse überproportional gut verdient und sitzen nun halt mit im Boot - "no risk no fun". Ohne Häme: Dubai war auch für die Banken ein riesengroßer Renditespielplatz - ähnlich wie für Immobilieninvestoren.

Durch die Finanzkrise kann man für Dubai sicherlich postulieren, dass diese Spielplatzrolle zwar eine Menge (nicht nachhaltiges) Wachstum gebracht hat - aber halt auch jede Menge "headache", wie man hier sagt. Es könnte sein (ausdrücklicher Konjunktiv), dass das die aktuelle Entscheidung, ein wenig die Hose runter zu lassen, auch beeinflusst haben mag.

Vielleicht hat Dubai selbst ein wenig die Nase voll von dieser 1001-Nacht- und Wonderland-Rolle . . .

Grüße
NoTax
Dubai Exposure der westlichen Banken

Wie schon vielfach erläutert, sind insbesondere "westliche" Banken mit "Dubai Exposure" engagiert. Bei den nachfolgenden Angaben muss aber berücksichtigt werden, dass diese überwiegend auf VAE insgesamt bezogen sind und nicht nach Kreditnehmern segmentiert sind. Dies ist u.a. bei der Bewertung der stark im Retail- und Private-/Businessbanking engagierten Institute wie HSBC, StanChar, RBS, Lloyds etc.wichtig.

DowJones Newswire am 27.11.2009 hierzu:

Zitat:Beruhigende Töne sind derweil von den Analysten der Credit Suisse zu hören, deren Angaben zufolge der Nahe Osten in den Kreditbüchern der europäischen Banken wohl nicht mehr als 1% bis 2% ausmache. Auf Dubai entfalle wiederum nur ein kleiner Teil davon. Die Analysten vermuten, dass die von ihnen beobachteten europäischen Banken insgesamt Kredite von 13 Mrd EUR dorthin vergeben haben.

Die Credit Suisse selbst sieht wegen der finanziellen Verwerfungen in Dubai kein Problem auf sich zukommen. "Das allfällige Verlustrisiko ist nicht bedeutend", sagte ein Sprecher. Auch bei der Deutschen Bank sind offenbar kaum Belastungen zu erwarten. So habe das Institut kein nennenswertes Exposure in diesem Bereich, erfuhr Dow Jones Newswires am Donnerstag von einer mit der Sache vertrauten Person. Die Investmentbank-Sparte der Credit Agricole sprach derweil von einem "kleinen Exposure" gegenüber Dubai World. Einen Grund zur Sorge sieht die französische Bank in der Mitteilung des Scheichtums allerdings nicht.

Zu den Banken, die nach Daten von Dealogic an Finanzierungen in Dubai gearbeitet haben, finden sich neben der Credit Agricole auch die britischen Institute HSBC, Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking. Ferner waren UBS, ING sowie die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ und Sumitomo Mitsui Banking hier tätig. Entwarnung gab von diesen Banken unter anderem schon die ING. So sei die Bank ein "kleinerer Kreditgeber" bei der 5,5 Mrd USD umfassenden Kreditfazilität, sagte eine Unternehmenssprecherin. Das schweizerische Institut UBS teilte mit, ihr Engagement in Dubai sei "klein und nicht materiell".

Auch Lloyds-Chairman Win Bischoff erklärte, das geringe Exposure der Bank in Dubai habe keine Auswirkungen für die Aktionäre oder das eigene Geschäft. Die deutschen Landesbanken sind nach einer ersten Einschätzung in Dubai allenfalls mit kleinen Summen engagiert. Wie eine Umfrage von Dow Jones Newswires bei den Landesbanken ergab, müssen viele Institute jedoch noch genau schauen, ob sie von dem Schuldenmoratorium der Investmentgesellschaft
Dubai World betroffen oder ob sie bei einem anderen Unternehmen in Dubai investiert sind.


Die "Dubai Exposure" im Einzelnen

Japan, insgesamt ca. 1,16 Mrd. USD, darunter:
231 Mio. USD durch SMBC Sumito Mitsui Banking Corporation
693 Mio. USD durch Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ
116 Mio. USD durch Mizuho Corporate Bank
120 Mio. USD durch andere, kleinere Institute

USA, ca. 9 Mrd. USD, darunter:
1,9 Mrd. USD durch Citigroup USA
1,5 Mrd. USD durch Bank of America
1,5 Mrd. USD durch J.P. Morgan Chase

Europa, insgesamt ca. 40 Mrd. USD , darunter:
9,3 Mrd. USD durch HSBC Holdings PLC (2% des Konzern-Loan-Book)
7,8 Mrd. USD durch Standard Chartered (7% des Konzern-Loan-Book)
3,6 Mrd. USD durch Barclays Bank (unter 1% des Konzern-Loan-Book)
2,2 Mrd. USD durch RBS Royal Bank of Scotland / ABN Amro (unter 1% des Konzern-Loan-Book)
1,7 Mrd. USD durch BNP Paribas
1,6 Mrd. USD durch Lloyds Banking Group PLC (unter 1% des Konzern-Loan-Book)
1,5 Mrd. USD durch Credit Agricole SA
1,4 Mrd. USD durch ING Banking Group
1,4 Mrd. USD durch Deutsche Bank (keine DW-Exposure)
1,0 Mrd. USD durch LBBW

Quellen: Nikkei Business Daily, Credit Suisse, Emirates Bank Association, eigene Recherchen

Es fehlen im Detail noch einige Banken, bereinigte Zahlen erwarten wir in den nächsten Tagen. Insbesondere verschiedene deutsche Landesbanken ließen am Freitag verlautbaren, nun erst mal prüfen zu müssen, inwieweit ihre Engagements mit DW oder nicht auch mit anderen Dubai-Firmen verknüpft sind Angel.


Die lokale und regionale "Dubai Exposure"

Hier ist die Datenerhebung definitiv im Stocken, was zum einen an der traditionell eher bescheidenen Informationspolitik arabischer Banken, zuvorderst aber an den seit Donnerstag stattfindenden Feierlichkeiten zum islamischen Opferfest (Eid Al Adha) liegen dürfte.

Zumindest die "Dubai Exposure" der derzeit in den Medien benannten lokaler und regionaler Banken fällt doch eher bescheiden aus:

1,9 Mrd. USD – ADBC Abu Dhabi Commercial Bank
1,4 Mrd. USD – First Gulf Bank

Gruß
NoTax
Der Bankensektor in den VAE

Exemplarisch betrachtet lesen sich die vergangene Woche von Standard & Poor’s (S&P) vorgenommenen Ratingabstufungen bei den vier Dubai-Kreditinstituten doch schlimmer, als sie tatsächlich sein mögen:

EIB Emirates International Bank: A-
Emirates National Bank of Dubai: A-
Mashreq Bank: A-
DIB Dubai Islamic Bank: BBB+

Der Bankensektor in den VAE erscheint - auch und gerade im Überseevergleich - in Bezug auf die üblichen Kennziffern doch recht gesund, wie man bei näherem Interesse den nachfolgenden Publikationen der Emirates Bank Association (EBA) entnehmen kann:

Jahresbericht 2008 Commercial Banks: http://www.eba-ae.com/pdf/COMMERCIAL%20BANKS078.pdf
Jahresbericht 2008 National Banks: http://www.eba-ae.com/pdf/NATIONAL%20BANKS078.pdf
Jahresbericht 2008 Islamic National Banks: http://www.eba-ae.com/pdf/ISLAMICNATIONA...NKS078.pdf
Jahresbericht 2008 Foreign Banks: http://www.eba-ae.com/pdf/FOREIGN%20BANKS078.pdf


Einlagenabsicherung durch die VAE Zentralbank

Es versteht sich von selbst mit Blick auf die Deposit-Statistiken der EBA dass natürlich im Hinblick auf Ratingabstufungen der Banken die Frage keimt, wie sicher die Einlagen bei den verschiedenen in den VAE zugelassenen Banken denn sind.

Generell und gesetzlich verankert gilt:

Kundeneinlagen bei in den VAE zugelassenen Banken sind spätestens seit 19.05.2009 explizit für den Zeitraum von 3 Jahren staatlich garantiert, nachdem das "Federal National Council" (FNC) der VAE einem entsprechenden Gesetzentwurf zugestimmt hat. Die Laufzeit der Garantie beträgt (über) 3 Jahre und endet vorerst am 31.12.2012. Die Garantie deckt alle nationalen Banken sowie die Niederlassungen ausländischer Banken sowie auch Kundeneinlagen, die aus dem Ausland stammen, ab.

Eine markante Lücke - dass nämlich die Middle East Töchter von UK-Banken bislang nicht durch die britische Einlagensicherung abgedeckt waren - ist nun geschlossen worden.

Hervorzuheben ist, dass schon zuvor eine Liquiditätsgarantie für VAE-Banken vom Staat übernommen wurde, jedoch keine so stark explizit gegenüber dem einzelnen Anleger ausgesprochene Einlagensicherung, wie das nun der Fall ist.

Diese "neue" Einlagensicherung ist betragsmäßig unbegrenzt, das unterscheidet sie erheblich z.B. vom Deutschen Einlagensicherungsfonds.

Gruß
NoTax
Bin gespannt, wie es letztendlich ausgeht.

http://www.thenational.ae/apps/pbcs.dll/...89904/1133
Dubai World (DW) soll laut Zawya Dow Jones Newswire seinen Gläubigerbanken nunmehr zwei alternative Rückführungsmodelle in Bezug auf seine 22 Mrd. US-$ Kreditverbindlichkeiten, die DW umstrukturieren muss, anbieten wollen:

Modell 1 - 60 US-Cent pro US-$ plus Staatsgarantie
Bei diesem Deal würden die Gläubigerbanken - unter ihnen HSBC, Royal Bank of Scotland, Standard Chartered und Abu Dhabi Commercial Bank - 60% ihrer Kreditforderungen gegen das in Schieflage befindliche Konglomerat in sieben Jahren (also in 2017!) enfällig ausgezahlt bekommen. Eine Verzinsung ist über diese 7 Jahre nicht vorgesehen, die Rückzahlung wird aber staatlich garantiert.

Modell 2 - 60 US-Cent pro US-$ plus 40 US-Cent in Nakheel Shares - OHNE Staatsgarantie
Hier stellt DW eine "vollständige Rückzahlung" ebenfalls in 2017 dar, 60% "cash" und der Rest in Aktien.

Ein "Gschmäckle" hat hier sicherlich die Tatsache, dass das Emirat Dubai selbst auf Nakeel Shares und die dahinter stehenden Assets (Palm Jumeirah, The World Inseln und etliche andere Immobilien-Developments) keinen Pfifferling mehr zu setzen scheint, da mit diesem Modell keine Staatsgarantie einhergeht.

Während der 60%-Vergleich an sich wenigstens etwas ist, stellt die Laufzeit schon eine gewisse Frechheit dar. Die Kreditvergabepraxis der Banken hier vor Ort wird das sicher kaum stimulieren.

Die Nummer ist schon ganz schön abgefu .. .. t!

Gruß aus Dubai

NoTax
heisst also es gibt nur 60% der schulden zurück und das in 7 jahren , und wer weiss was in 7 jahren dann ist Smile .

naja als alter börsenzocker hatte ich schon immer gewusst , wer in dubai geld anlegt fährt großes risiko,deshalb finger weg.
für eine günstige ferienimmobilie ist es immer eine überlegung wert,aber mehr auch nicht.

ich hoffe und denke auch ,daß sie ihre probleme in den griff bekommen , am ende ist es so , was sie fertig haben bleibt auch fertig gebaut , und da gibt es ja schon sehr vieles.
als tourist hat man schon vieles im angebot , und wenn der stau jetzt auch weg ist umso besser Smile .

offen ist wie es weitergeht dort , bis die weltwirtschaft wieder auf dem 2007 level ankommt ,vergehen aber so oder so gute 5 jahre ,evtl auch deshalb die rückzahlung in 7 jahren.
aber das die weltwirtschaft überhaupt diesen level wieder erreicht ist völlig offen , die nächsten krisen kommen bestimmt ( us kreditkartenblase wird bald böse platzen und die währungschwankungen besonders beim usd werden auch große folgen haben , kommt die us wirtschaft nicht schnell wieder hoch und hört china auf us staatsanleihen zu kaufen kippt der usd und gold wird explodieren,dann gute nacht marie auch für uns im euro raum ) .
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